Larpforschung: Rollenspieltheorie

Rollenspieltheorie ist eine eigene verstrickte Angelegenheit für sich. Markus Montola beweist Durchblick in seinem Artikel “The Invisible Rules of Role-Playing. The Social Framework of Role-Playing Process”. Ursprünglich 2005 geschrieben, wurde er in der ersten Ausgabe des International Journal of Role-Playing veröffentlicht und vielleicht 2012 in seiner Dissertationsschrift abgeschlossen. Heute geben wir einen Überblick über diesen Artikel.

Zusammenfassung:

Montolas Artikel betrachtet Rollenspiel als einen Prozess, der in verschiedenen Spielen funktionieren kann. Das Rollenspiel unterscheidet sich von den regulären Spielen, die Wert auf zählbare Veränderungen zielen, indem es auf qualitative Aspekte Wert legt. Der Artikel schlägt drei Regeln für Rollenspiel vor: 1. Rollenspiel ist ein interaktiver Prozess, der den Zustand, die Eigenschaften und Inhalte einer imaginären Spielwelt definiert oder umdefiniert. 2. Die Macht die Spielwelt zu definieren besteht in den Teilnehmern. Die Teilnehmer erkennen die Existenz der gegebenen Machthierarchie an. 3. Spieler-Teilnehmer definieren die Spielwelt durch personifizierte Charaktere, die den Zustand, die Eigenschaften und Inhalte der Spielwelt bestätigen. Im Laufe des Artikels geht Montola auf Verfeinerungen ein. Zusammenfassend ist zu sagen, dass der strukturelle Ansatz Rollenspiel zu erfassen dahin zielt die Rollenspieltheorie, unabhängig von Larp, MMORPG oder Tischrollenspiel voran zu bringen.

Wie ein System beschreiben, dass mit Spielanfang sich ändert? Montolas Rollenspieltheorie Artikel gibt Einblick. Auf das Bild klicken um zum Original zu gelangen!

Kommentar:

Montolas Definition dient als gründliche Basis Rollenspiel auf einem abstrakteren Niveau zu denken. Die hier vorgestellte Kurzzusammenfassung gibt nicht alle Feinheiten wieder. Sie hilft aber eine Lücke zu erkennen, die bereits der Titel andeutet: Social Framework. Es gibt damit eine Gewichtung auf die sozialen Prozessen. Legen wir Aarseths (2003) Elemente des Spiels (world, structure, play) als Schablone über Montolas Artikel, zeigt sich eine Unausgewogenheit:

Spielmechanik (game structure) und Spielen an sich (game play) werden nicht abgedeckt wenn Montola seine Definition vorschlägt und diese auf der Spielwelt (game world) gründet. (Vielleicht wird seine momentan sich im Druck befindende Dissertation auf diese Ungereimtheit eingehen.)

Der Blick auf das Spielen an sich würde zeigen, dass das Spielen selbst nicht nur auf dem Platz während der Con stattfindet. Die Vorbereitungsphase und die Nachbereitung ist vielfältig und unerforscht. Gehört es ‘irgendwie’ zum Spiel dazu, wenn hunderte von Stunden mit der Recherche nach historisch akkurater Kleidung oder Benehmen verbracht werden? Sind die Forenaktivitäten nach der Con und die Verteilung von Bildern in Sozialen Netzwerken Teil von Rollenspielen an sich? Spannende Fragen eröffnen sich hier und ich werde in meiner Dissertation besonders auf die Meta-Aktivitäten von Rollenspiel eingehen und die Rolle der Wirtschaft herausstellen.

Ein Fokus auf die Spielmechanik würde erklären, wie vielfältig gelarpt werden kann und wie regional gebunden zahlreiche Spielkonzepte und -philosophien sind. Trotz Internet-Vernetzung und Konferenzen, wie der Knutepunkt in Nordeuropa und MittelPunkt in Deutschland, bleibt die Spielvariation beschränkt auf die Peer-Group, die Bekannten. Dies wird mir an den Nachrichten von meinen amerikanischen Bekannten deutlich, die wie ich dieses Jahr auf die Knutepunkt in Finnland geflogen sind. Nichts ändert sich, wenn nur Einzelpersonen neugierig auf Alternativen sind. Experimentiert mehr mit Larp und gebt mir bitte Bescheid. Erzählt einfach über eure Erfahrungen hier in der Kommentarbox.

Referenzen:

  • Aarseth, E. (2003). Playing Research: Methodological approaches to game analysis. Proceedings of the 2003 DiGRA Conference Level Up in Utrecht.
  • Montola, Markus (2009): The invisible rules or role-playing, in: International Journal or Role-Play, Vol 1, No 1.

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